31
05.03.2025 von Katrin Wohlwend

Medizinische Versorgung darf kein Privileg sein

Die Gesundheitsförderung ist in allen ­Geschäftsfeldern ein ­wichtiges Ziel der ABS. Bei ihren Investitionsstrategien ­fokussiert sie unter anderem auf einen sozial gerechten ­Zugang zu medizinischer Versorgung. Zusätzlich beteiligt sich die ABS an Kampagnen der Access to Medicine Foundation.


Beitrag der ABS
Artikel in Thema Geld und Gesundheit
Foto: zvg

In ihrer Nachhaltigkeitsanalyse beurteilt die ABS, welche Unternehmen in ihr Anlageuniversum aufgenommen werden. Dabei kommen verschiedene Kriterien zum Einsatz, die sich in Ausschluss- und Förderkriterien sowie weitere positive und negative Bewertungskriterien unterteilen. Einige dieser mehr als 270 Kriterien haben einen direkten Bezug zum Thema Gesundheit. Sie kommen zum Einsatz, wenn zum Beispiel ein Pharmaunternehmen bewertet wird. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Frage, ob und wie das Unternehmen den Zugang zu medizinischer Versorgung für Menschen in benachteiligten Weltregionen sichert.
Im Bereich Gesundheit ist dieser Aspekt eines der wenigen Themen, die sich in allen Kategorien von ABS-Kriterien niederschlagen: So ist es bei grossen Pharmaunternehmen ein Ausschlusskriterium, wenn keinerlei Strategien für einen solchen Zugang definiert sind. Bei kleineren und mittleren Unternehmen führen fehlende Zugangsstrategien zwar nicht automatisch zum Ausschluss, fliessen aber als wichtiges Negativkriterium in die Gesamtbewertung ein. Umgekehrt fallen Unter­nehmen, die Zugangsstrategien im Einsatz haben, unter die Positiv- und Förderkriterien der ABS.

Die Pharmaindustrie in die Pflicht nehmen
Diese Herangehensweise zeigt, wie stark die ABS soziale Gerechtigkeit beim Zugang zu medizinischer Versorgung gewichtet. Sie unterstützt deshalb auch die Arbeit der niederländischen Access to Medicine Foundation, ins­besondere durch das Mitunterzeichnen von öffentlichen Investoren-Stellungnahmen. Die 2003 gegründete gemeinnützige unabhängige Stiftung mobilisiert Pharmaunternehmen, um die chronischen Probleme der Ver­fügbarkeit und Erschwinglichkeit von Arzneimitteln zu lösen. Das Ziel ist, dass immer mehr Menschen in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen (engl. «Low and Middle Income Countries»: LMIC) Zugang zu lebenswichtigen Gesundheitsprodukten erhalten. Wegen ihrer umfangreichen Ressourcen und globalen Reichweite spielen hierbei insbesondere grosse Pharmaunternehmen eine entscheidende Rolle. 
Anhand von Daten und Forschungs­ergebnissen untersucht die Access to Medicine Foundation, wie solche ­Unternehmen die globale Gesundheitsversorgung verbessern können, und gibt dazu Leitfäden heraus. Zudem analysiert die Stiftung, ob die ­Unternehmen diese Massnahmen tatsächlich umsetzen. Seit 2008 ver­öffentlicht sie alle zwei Jahre den «­Access to ­Medicine Index». Der Index bewertet die zwanzig grössten Pharmaunternehmen weltweit und stuft sie anhand ihrer Bemühungen ein, den ­Zugang zu ihren ­Gesundheitsprodukten für Menschen in LMIC zu erweitern. Ein begleitender Bericht ordnet die Resultate ein.

Gemeinsam mehr erreichen
2024 hat die ABS gemeinsam mit 147 anderen Finanz­instituten eine öffentliche Stellungnahme unterzeichnet, welche die Relevanz des Index bekräftigt. Gemeinsam verwalten die unterzeichnenden Institute ein Vermögen von 22 Billionen US-Dollar. Mit der Stellungnahme be­stätigen sie, dass die Existenz ernsthafter Zugangsstrategien der Unternehmen für sie ein zentrales Thema bei ­Investitionsentscheidungen ist. Der Index setzt Pharmaunternehmen unter Druck, indem er zeigt, wer bereits gut abschneidet und wo es Nachholbedarf gibt. Die Investoren-Stellungnahme zum Index unterstützt diese Bemühungen. Zudem vertieft der begleitende Bericht die relevanten Themen im Zusammenhang mit Zugangs­strategien und bietet der Branche somit auch Unterstützung bei der Entwicklung von Massnahmen. 
Die ABS ist im Vergleich zu anderen Finanzinstituten eine kleine Investorin. Einige der im Index gelisteten ­Unternehmen sind aus unterschiedlichen Gründen aus dem ABS-Anlageuniversum ausgeschlossen, die nicht mit dem Kriterium der Zugangsstrategien zu tun haben müssen. Die ABS schliesst jedoch nicht die Pharmaindustrie als ganze Branche aus, sondern nur einzelne Unternehmen. Grundsätzlich ist es daher möglich, dass ­ausgeschlossene Unternehmen künftig auch für die ABS investierbar werden, wenn sich Geschäftspraktiken ändern. Dank dem gemeinsamen Engagement mit der Access to Medicine Foundation und den mitunterzeichnenden Instituten bietet sich der ABS bereits heute eine Möglichkeit, darauf hinzuwirken, dass sich immer mehr Unternehmen weltweit für einen verbesserten Zugang zu medizinischer Versorgung engagieren – auch wenn diese nicht Teil des ABS-Anlageuniversums sind.


Im Nachhaltigkeitsbericht 2023 lesen Sie ab Seite 113 detailliert, wie sich die ABS in allen ­Geschäftsbereichen für das Thema Gesundheit und Wohlergehen einsetzt.
abs.ch/naha2023

Artikel ausdrucken