Ungleichheit

Steuern wir auf einen Notstand zu? Warum befeuert Ungleichheit den Aufstieg des Rechtspopulismus? Und kann es so etwas wie eine klassenlose Gesellschaft geben?

Illustrationen: Claudine Etter

Moneta # 1-2026
Editorial

Eine wachsende Kluft

Die zwölf reichsten Personen der Welt besitzen mehr als die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit zusammen. Zu diesem schockierenden Ergebnis kommt die Entwicklungsorganisation Oxfam in einer kürzlich veröffentlichten ­Studie. Sie steht in einer Reihe von aktuellen Berichten, die alle zeigen: Die wirtschaftliche Ungleichheit wächst global, aber auch innerhalb von einzelnen Ländern. Was bedeutet es, wenn sich die Kluft zwischen armen und reichen Menschen immer weiter auftut? Welche politischen ­Folgen hat das? Warum bildet Ungleichheit den Nährboden für den Aufstieg der Rechtspopulisten? Und könnte es überhaupt so etwas wie eine klassenlose Gesellschaft ohne jegliche Ungleichheit geben? Diesen und vielen weiteren Fragen zur Ungleichheit gehen wir in dieser moneta nach.

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Wir fragen aber auch nach der Gleichheit: Seit der Französischen Revolution vor über 200 Jahren bilden «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» die Leitprinzipien moderner, demokratisch organisierter Gesellschaften. In den vergangenen Jahrzehnten wurde viel über Freiheit diskutiert, zugleich ist der Begriff der Gleichheit weitgehend aus den öffentlichen Debatten verschwunden. Was bedeutet Gleichheit heute? Und wie lässt sie sich wieder stärken – gerade angesichts des zunehmenden Rechtspopulismus? Das wollten wir von der Philosophin Jule Govrin wissen, die eine Theorie radikaler Gleichheit entwickelt hat.
Ich hoffe, dass Sie in dieser moneta viel Interessantes finden – im vorliegenden Heft, aber auch in unserer Online-Ausgabe: Dort gehen wir beispielsweise der Frage nach, was denn eigentlich die Schweiz für die Verminderung von Ungleichheit tut, weltweit, aber auch im eigenen Land. Besonders ans Herz legen möchte ich Ihnen auch Esther Banz’ Porträt von Christian Tschannen, der als Kind fremdplatziert, ausgebeutet und misshandelt wurde, mit Nachwirkungen bis heute. Seine erschütternde Geschichte zeigt, dass es auch in der Schweiz zuweilen eine riesige Kluft zwischen reich und arm, mächtig und ohnmächtig gibt.


Katharina Wehrli,
Co-Chefredaktorin moneta

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